5 Fragen an Supersaeb

Supersaeb
Supersaeb

Wir haben dem Dresdner DJ und Produzenten Supersaeb fünf Fragen gestellt. Unter anderem spricht er mit uns über seine Vergangenheit bei Hochanstaendig, über das DJ-Business und über Vinyl. Außerdem gibt er Tipps für Newcomer.

Dein Künstlername Supersaeb klingt nach einem Superhelden aus dem Comic. Was macht dich zum absoluten Superhelden am DJ-Pult?

*lacht* Der Name entstand mehr oder weniger aus einem Spitznamen. Ich muss dich also enttäuschen. Superhelden-Fähigkeiten habe ich leider keine. Noch nicht.

Du bist ja nun auch schon das eine oder andere Jährchen im DJ-Business tätig. Was hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert?

Im Nachtleben hat sich in den vergangenen Jahren eine Menge verändert. Das geht beim Ausgehverhalten der Jugend los, zieht sich über die Entwicklung der DJs und das Angebot der Partys und Festivals. Als ich mit dem DJing begann, gab es gerade in Dresden ein massives Nachtleben-Angebot. Von Donnerstag bis Sonntag war immer etwas los.

Heute haben viele Clubbetreiber Mühe, ihre Locations einmal im Monat halbwegs voll zu bekommen. Zuerst schob man die Schuld den geburtenschwachen Jahrgängen zu und dann kam das Smartphone, das alles veränderte. Es ist heute nicht mehr nötig, sich abends im Club zu berichten, was in der Woche los war. Das sind alte Kamellen, denn dank der sozialen Netzwerke weiß jeder, was die anderen so getrieben haben. Und die Partnerwahl findet heute auch oft digital statt. Wozu also unbedingt die Couch verlassen und abends weggehen?

Wenn ich mir anschaue, wo wir als Hochanstaendig vor fünf Jahren gespielt haben, dann stelle ich fest, dass es acht von zehn Locations nicht mehr gibt. Neueröffnungen gibt es nur noch ganz selten. Dafür funktionieren Festivals und Open-Airs ganz gut, was natürlich toll ist.
Für die Musikanten am Pult ist das Clubsterben natürlich beschissen, denn das Angebot an Veranstaltung nimmt ab, während es gefühlt immer mehr DJs gibt.

Wer kein Superstar-DJ ist, findet sich früher oder später im Ellbogenkampf mit seinen „Kollegen“ wieder. Und glaubt mir, es gibt immer einen, der es billiger macht. Qualität? Welchen Veranstalter juckt das schon, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht und ums Überleben kämpft?

In den vergangenen Jahren hat es sich angefühlt, als ob der Respekt unter den DJs immer mehr zum Teufel geht. Und was ich besonders bedaure: Eine musikalische Dramaturgie erkennt man im Laufe einer Party nicht mehr allzu oft. Jeder versucht seinen Slot bestmöglich zu nutzen und sich in Szene zu setzen. Musikalisches Fingerspitzengefühl interessiert heute kaum noch jemanden. Ich fand es immer unglaublich toll, Warmups zu spielen, ruhigere und unbekannte Tracks zu zünden, um dann kurz vor dem Mainact den Floor mit zwei, drei flotteren Nummern zu füllen. Doch dieses Handwerk scheint nicht mehr allzu verbreitet zu sein. Zumindest fühlt es sich so an. Aber auch manche Veranstalter haben nie verstanden, dass es nicht cool ist, zehn Minuten nach dem Opening die Leute mit Peaktime-Scheiben zu nerven, um den Floor irgendwie voll zu bekommen.

Mit ANIE warst du als Hochanstaendig neun Jahre lang in der Republik unterwegs. Seitdem hat sich dein Sound verändert, von eher kommerziellem EDM-Sound bist du zurück zu klassischer Housemusik gekommen. Wie kam es zu dieser Entscheidung? Bist du zu alt für den EDM-Zirkus?

5 Fragen an Supersaeb
5 Fragen an Supersaeb

ANIE haben wir kürzlich ebenfalls interviewt.

Jetzt, knapp ein Jahr nach unserer Auflösung realisiere ich erst einmal so richtig, was wir alles erlebt haben. Über die Jahre entwickelt sich ja oft eine Art Tunnelblick. Doch mit etwas Abstand nimmt man das große Ganze dann besser wahr. Klar, das war auch teilweise echt eine stressige Nummer, aber diese Erinnerungen behalte ich für immer und bin dankbar für jede Veranstaltung, die wir bespielen durften.

Nach dem Ende des Hochanstaendig-Projekts wollte ich meinen Kopfhörer eigentlich an den Nagel hängen. Die Luft war raus. Ich hatte in den knapp zehn Jahren einiges erlebt und hatte keine Lust mehr auf den ganzen DJ-Zirkus. Der aktuelle EDM-Sound war ohnehin nichts, was mir gefehlt hätte. Da war und ist so viel Müll im Umlauf. Und jeder spielte den gleichen Sound.

Ehrlich gesagt konnte ich den Hype um die Superstars der Szene nie so richtig verstehen. Bei den großen Festivals stellte ich mir einige Male selbst die Frage, was das alles soll. Mit dem klassischen DJing, dem spontanen Aneinanderreihen von Musiktiteln, hat das ja nichts mehr zu tun. Es handelt sich meist um eine durch-choreographierte Show, bei der die Pyrotechniker und die VJs die wahren Helden sind. Und natürlich die Marketing-Experten, die den Act groß gemacht haben. Über die Jahre hat mich das echt irritiert und auch irgendwie abgeturnt.

Der Trend zu immer mehr Entertainment erinnerte mich ein bisschen an den Ballermann auf Malle und das war überhaupt nicht das, woran ich Freude hatte. Klar, bei einem Festival kann ein DJ schon mal zum Mikrofon greifen und seinen Fans ‚Hallo!‘ sagen, aber manche ‚Künstler‘ haben das in absurde Bereiche geführt. Doch die Leute fanden es toll. Die Spirale nahm ihren Lauf. Das war nicht mehr meine Welt. Ich hatte mir also überlegt, die DJ-Karriere nach dem Hochanstaendig-Aus zu beenden.

Aus Zufall fragte mich ein Freund, ob ich bei einer kleinen privaten Feierlichkeit nicht ein bisschen was auflegen kann. Das war kurz nach unserer Hochanstaendig-Auflösung. Zuerst überlegte ich, an welchen DJ ich die Anfrage weiterleiten kann. Ich weiß nicht warum, aber aus irgendeinem Grund sagte ich: ‚Okay, ich mach das, will aber mit Vinyl spielen.‘ Die Wochen zuvor bin ich meine Vinylsammlung durchgegangen, habe Scheiben gehört, die ich jahrelang nicht mehr in der Hand hatte und hab mich dadurch neu in die Musik verliebt. Klingt kitschig und klebrig, ich weiß, war aber irgendwie so.

Supersaeb im Interview
Supersaeb im Interview

Danach habe ich mir in Ruhe und ohne Druck überlegt, wie es weitergehen soll und bin zu dem Entschluss gekommen, das Auflegen just for fun fortzuführen. Mein regulärer Job beinhaltet viel Reiserei und setzt mir zeitlich einige Grenzen. Deshalb nehme ich musikalisch mit, was geht. Und ansonsten sehe ich es eher als Hobby anstatt als Arbeit und Verpflichtung an. Und dadurch macht es mir ehrlich gesagt auch wieder deutlich mehr Spaß.

Natürlich spiele ich bei weitem nicht mehr so oft. Aber wenn sich etwas ergibt, dann genieße ich das deshalb deutlich mehr als in den teilweise wirklich stressigen Hochanstaendig-Zeiten. Leider war es zuletzt zeitlich nicht möglich, Gigs zu spielen. Ab Herbst habe ich aber wieder ein bisschen mehr Zeit und freue mich, dann endlich wieder ein paar Platten aufzulegen.

Momentan spielst du viele Gigs wieder mit Vinyl. Geht es dabei nur ums Feeling oder welche Beweggründe gab es für dich, zurück zum klassischen DJ-Medium zu gehen?

Mir macht es einfach mehr Spaß. Vermutlich ist das schwer nachzuvollziehen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Ich mag dieses Gefühl, Musik in der Hand zu halten. Zudem konnte ich mir Tracknamen nie besonders gut merken, Plattencover aber kann ich sofort zuordnen. Bei den Gigs, die ich in den vergangenen Monaten mit Vinyl spielte, erhielt ich von den Gästen ein wirklich tolles Feedback. Mittlerweile ist es ja selten geworden, einen laufenden Technics auf der Bühne zu sehen. Auf der anderen Seite schränkt es den DJ natürlich bei der Auswahl ein. Und springende Nadeln sind ätzend, Rückkopplungen auch. Aber ich halte dem Vinyl weiter meine Treue und habe wieder angefangen, neue Tracks und Alben auf Vinyl zu kaufen. Ich nehme mir wieder die Zeit, eine Platte aufzulegen und einfach nur zuzuhören. Das ist toll.

Viele Jahre DJing und jede Menge Erfahrung liegen hinter Supersaeb. Welche Tipps hast du für Newcomer DJs und DJanes?

Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, Newcomern sinnvolle Tipps zu geben, mit denen sie auch was anfangen können. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich die Szene im Moment so gut verstehe, wie es die Jugend tut. Deshalb spare ich mir irgendwelche Floskeln oder halbgare Pseudotipps.

Wichtig ist, dass die Newcomer klare Vorstellungen haben von dem, was sie machen oder machen wollen. Das DJ-Business ist hart. Man muss sich richtig reinhängen, wenn man Erfolg haben will. Und selbst dann ist Erfolg nicht garantiert. Es ist heutzutage nicht einfach, sich gegen die vielen anderen DJs durchzusetzen. Ich habe wirklich viele tolle und sympathische Acts scheitern sehen. Andere, teilweise fragwürdige und echt durchgeknallte Konstellationen haben es wiederum geschafft, sich zu etablieren. Deshalb würde ich sagen: seid keine Arschlöcher und schaut, dass ihr euch ein paar Connections aufbaut. Und habt Geduld.

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