5 Fragen an DeDe

DJ DeDe ist seit 1986 in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. After Hour Mag hat dem sympathischen Glatzkopf fünf Fragen gestellt.

Du bist seit über 30 Jahren als DJ unterwegs. Was hat sich in diesen Jahren grundlegend geändert?

Das Weg-geh-Verhalten an sich hat sich total geändert: Damals haben die Clubs um 21 Uhr aufgemacht und die Leute kamen spätestens eine halbe Stunde später in den Laden. Die Gäste sind dann erst gegen 5 Uhr langsam wieder gegangen. Heute ist die Verweildauer im Club wesentlich kürzer. Die Gäste halten ja kaum noch länger als 4 Stunden durch. *lacht*

DJ DeDe
DJ DeDe bei der Disko Total

Der Respekt gegenüber den DJs hat leider auch nachgelassen. Musikwünsche gibts nur noch mit vorgehaltenen Smartphone. Und wenn man dann einen Track den irgendein „großer DJ“ gerade im Tomorrowland-Set gespielt hat nicht dabei hat, erntet man komische Blicke. Aber damit kann ich umgehen und gucke komisch zurück.

Es gibt immer wieder Veranstaltungen, auf denen die Leute total abfeiern – aber leider auch viele wo man die Gäste fast zu ihrem Spaß „zwingen“ muss. Deshalb spiele ich echt gerne P16-Partys. Da kommt eine neue Feiergeneration nach.

„Ich sehe mich nicht als Künstler, sondern als Dienstleister.“

Bei deinen Gigs spielst du so gut wie alle Genres. Welche Musikrichtungen kannst du gar nicht bedienen, was sind für dich absolute No-Gos?

Ich glaube, das ist genau der Grund, warum ich den Job schon so lange in einem für mich erfolgreichen Rahmen mache. Bei den meisten meiner Resident-Jobs spiele ich auf dem Mainfloor House, Electro und EDM. Andererseits mache ich auch Ü30-Partys, 90er/2000er-Partys und wenn es sein muss auch mal einen Abend „Black“-Music.

Dadurch wird der Job nicht langweilig. Ich finde es gerade im Resident-Bereich (im Gegensatz zu den Booking-Kollegen) wichtig, musikalisch breit aufgestellt zu sein, denn nur so kann man den Anforderungen der Auftraggeber gerecht werden. Ich sehe mich auch nicht als Künstler, sondern als Dienstleister.

Was ich nicht bedienen kann? Rock und Alternative, die waren noch nie mein Ding.

Du bist zum Beispiel als Resident DJ bei der Disko Total und beim Holi Lausitz. Was unterscheidet Resident-Gigs von wechselnden Clubgigs?

Die Disko Total und das Holi Lausitz sind keine typischen Resident-Jobs. Die haben Event-Charakter. Resident-Jobs sind die Termine in den Musikparks, im Faceclub Weigersdorf oder im City Center Löbau. Bei den Resident-Jobs kann und muss ich „MEINEN“ Abend voll gestalten und bin die ganze Nacht am Start.

Das bin ich bei der Disko Total auch, aber da ja immer zusammen mit dem Kollegen Paddixx und es gibt da ein mehr oder weniger festes Programm, was es bei den normalen Resident-Jobs nicht gibt. Man muss sich da schon regelmässig um neue Musik kümmern und auch schauen, was in welcher Region gerade angesagt ist.

DJ DeDe, Holi Lausitz
DJ DeDe beim Holi Lausitz

Leider wird der Resident-DJ von vielen „Bookings“ und leider auch Gästen oft wie ein Warm-Up-DJ behandelt, was ich nicht verstehen kann. Ein Booking-DJ kommt in den Laden, macht seine 90 Minuten „Show“ für die er gebucht ist. Teilweise (wenn auch selten) komplett am Publikum vorbei und dann muss der Resident-DJ den Abend irgendwie retten.

Achso… und das auch immer für eine wesentlich kleinere Gage als ein Booking-Act. Aber ich will mich nicht beschweren: Reich werde ich als Resident nicht, aber ich kann den Job halt ziemlich lange machen.

Es gibt „Booking„-Kollegen (ich nenne keinen Namen), die sich bei mir gemeldet haben, ob ich sie in Resident-Jobs vermitteln kann, weil es gerade mit den Bookings nicht so läuft. Es ist für Booking-Acts auch nicht so einfach, weil viele Clubbetreiber kaum noch Geld für Acts ausgeben wollen und es auch von den Gästen sehr oft nicht gedankt wird.

„Der Musikpark Dresden war für mich ein zweites Zuhause.“

Seit Jahren bist du als Resident DJ für Musikparks in ganz Deutschland tätig. Funktioniert das Konzept der Großraumdiskothek heute überhaupt noch?

Klar gab es früher mehr Großraum-Discotheken, aber gerade die Musikparks sind ja fast alle nicht soooo gross. Ich persönlich bin kein Freund von coolen Clubs. Ich gehe gern in Mainstream-Läden mit mehreren Bereichen, ohne mich auf einen bestimmten Stil festzulegen und das bieten die Musikparks nun mal.

Daher fand ich es sehr schade, dass der Musikpark Dresden geschlossen hat. Das war für mich ein zweites Zuhause und einer der schönsten und saubersten Läden in der Landeshauptstadt. Man sieht aber auch, dass selbst kleine Läden zur Zeit mehr schließen, als das Neue dazu kommen.

Auch das liegt meiner Meinung nach am veränderten Weg-geh-Verhalten. Früher musste man in die Disco gehen, um z.B. Leute kennenzulernen, neue Musik zu hören. Heute geht das fast alles über das Netz. Das finde ich persönlich sehr schade. Ich möchte meine „aktive Weg-geh-Zeit“ nicht vermissen – da fehlt vielen was. *lacht*

Von Teenagern bis Ü30 ist in deinem Kalender alles vertreten. Wie schaffst du es, auch beim jungen Publikum als etwas älteres Semester immer noch anzukommen?

*lacht* Das frage ich mich auch manchmal. Aber ich glaube dadurch, dass ich mich selbst nicht so ernst nehme, funktioniert das so gut. Ein Kollege wurde neulich gefragt, ob er nicht zu alt für den Job ist (er ist älter als ich). Seine Antwort „Doch bestimmt, aber bis jetzt hat das noch keiner gemerkt“. Und genauso ist das bei mir auch.

„Ich fühle mich nicht wie ein Star.“

Ist schon teilweise ein komisches Gefühl, in einem Laden zu stehen und zu wissen, dass das alles meine Kinder sein könnten. *lacht* Aber gerade beim „jüngerenPublikum liegt es wahrscheinlich daran, dass ich auch mit denen immer auf Augenhöhe rede.

Gerade im Juni beim Holi Lausitz wurde ich wieder von „jüngeren“ Gästen angesprochen, dass sie es toll finden, dass ich einfach so durch die Menge gehe und mit vielen quatsche und auch das ein oder andere Foto gemacht habe. Ich sage denen immer „Ich bin ein normaler Mensch, ich esse mit dem Mund, und k…. mit dem Po!“ Ich fühle mich nicht wie ein Star, sondern bin halt einfach DeDe – das heißt auf türkisch übrigens „Opa“.

Des weiteren beschäftige ich mich auch mit aktuellen Musiktrends und versuche diese, wenn es halbwegs passt, auch in meine Sets einzubauen. Und beim „älteren“ Semester ist das ähnlich, das bin ich praktisch selbst. *lacht* Ich denke auch, dass gerade diese Kombination mich im Kopf jung hält.

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